Die Basis des Umgangs ist Respekt

Spätestens seitdem der sympathischste Pferdeflüsterer aller Zeiten über Kinoleinwände und TV-Bildschirme flimmerte, gilt diese besondere Art der Kommunikation zwischen Mensch und Tier nicht mehr nur als Teil der Geschichten unserer Vorfahren oder als esoterisch gefärbte Spinnerei.

Auch jeder, der seinen Alltag mit einem tierischen Gefährten teilt, ob Katze, Hund oder eben auch Pferd, schwört darauf, dass da mehr ist, als nur der antrainierte Reflex. Da gäbe es noch etwas ganz Besonderes, Tiefes. Wir haben nachgefragt bei Anne Sophie Sager, Trainerin nicht nur für Querdenker, sondern auch für Tiere.

 

Das Tier ist auch nur ein Mensch, oder?

(lacht) Das Tier ist „natürlich“ ein Tier. Es gibt klare Regeln in der Natur und kein Pferd käme auf die Idee, Nachkommen antiautoritär zu erziehen. Hier beginnt der Unterschied zu uns. Tiere, die engen Kontakt zu uns haben, entwickeln sicher neue Strategien und Erfolgsmuster, sodass man sehr leicht versucht ist, ihnen menschliches Denken zu unterstellen.

 

Wenn du dich beim Coaching auf die ganz besondere Kommunikation mit dem Tier einlässt, musst du dann nicht oft erst mit dem Tierhalter anfangen Denksperren zu lösen, Horizonte zu erweitern?

Dies passiert unweigerlich und ich erlebe immer Aha-Effekte bei den Menschen. Denn wir Menschen haben unbewusste Muster, die uns in Triggersituationen aggressiv werden lassen oder uns schwächen, uns auf ganz verschiedene Weise unangemessen reagieren lassen.

Für ein sensibles Pferd wirkt sich unser Emotionsgewitter selbstverständlich verwirrend aus und so kann es schnell geschehen, dass weder Ross noch Reiter „die Welt verstehen“.

Nun mögen manche sagen, ein Pferd kann so etwas nicht empfangen, aber ich gehe davon aus, dass ein Pferdeliebhaber sich dieser Tatsache sehr wohl bewusst ist. Ich erinnere mich gerne an eine Situation zurück, in der sehr schnell eine gute Klärung zustande kam.

Es ging um ein gelangweiltes Pferd, das einfach machte was ihm gefiel. Seine junge Halterin war sehr im Studiumsstress, sie wusste auch nicht, ob der eingeschlagene Berufsweg wirklich zu ihr passte, traute sich aber nicht diesen Gedanken Raum zu geben.

Und wenn sie bei ihrem Pferd war, wurde sie nur noch mehr frustriert, da ihr der Spass und die Freude am Ausritt fehlten. Im Gespräch zur Klärung dieser Stresssituation und zu den Wurzeln des Problems wurde das Pferd munterer und aufmerksamer. Es interessierte sich plötzlich für die junge Frau, denn deren Absichtslosigkeit war gelöst worden. Am Ende des Tages waren beide ein Team.

Pferde reagieren sogar auf unsere Gedanken und können diese  abspeichern. Nicht immer müssen die Probleme des Pferdes konsequent nur mit dem Reiter oder dem Halter verbunden sein, denn auch alte Traumata, das Verhalten eines Vorbesitzers oder unerkannte körperliche Prozesse, sowie die Positionierung im Stall spielen dabei eine Rolle.

Pferde sind auch in anderer Hinsicht etwas Besonderes. Sie können über weite Distanzen, und ich behaupte auch über Zeit und Raum hinweg kommunizieren, sind in der Lage sich gegenseitig zu helfen und Verbindungen untereinander aufrecht zu halten. Sie werden deshalb immer mehr für die Energiearbeit oder Coachings mit hochsensiblen Menschen oder für Therapien eingesetzt.

 

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Was waren deine ermutigendsten und was die entmutigendsten Erfahrungen mit den Tierhaltern?

Von entmutigenden Erfahrungen kann ich nicht berichten. Ein wenig schwierig könnte im Lösen von Problemen die Komplexizität unserer inneren Welten und deren Auswirkungen sein, die wir Menschen nicht gerne wahrhaben wollen.

Durch Stress, Lärm und Massenmedien, permanente Ablenkung und Umweltgifte haben wir schon sehr viel unserer natürlichen Fähigkeiten eingebüsst, oder es fehlt manchmal auch die Energie, um eine Klarheit aufrecht zu erhalten. So kann es geschehen, dass man seinem Tier eine Rolle gibt, die es überhaupt nicht ausfüllen kann. Tiere helfen gerne, manchmal überraschend anders, als unser Verstand denkt.

Die gute Nachricht ist: Das Interesse an unseren natürlichen Kräften erfährt nun wieder einen Aufschwung, und das besonders bei Jugendlichen.

Unterstütze ich sie bei der Korrektur der Blickrichtung, haben sie in kurzer Zeit einen Zugang zum Tier, der über den Verstand hinaus geht und das Tier sehr erleichtert und erfreut. Gerade Pferde und Menschen haben die längste Beziehung miteinander, ohne die unsere Geschichte eine ganz andere wäre. In dieser Hinsicht kommt dem Pferd eine ganz besondere Rolle zu, und das wird auch so bleiben.

 

Robert Redford in allen Ehren, sind die Frauen nicht eigentlich die besseren Pferdeflüsterer?

Eine Bindung und Beziehung zu einem hochsensiblen, des Fühlens fähigen Wesen kann sehr viele über Jahrhunderte entstandenen Schädigungen heilen, uns aufrichten und stärken. Und Frauen sind nun mal bewusster in der Emotion. Sie suchen daher instinktiv nach Lösungen und finden gerade bei Pferden einen wichtigen Teil davon.

 

Wie würdest du deine ganz persönliche Arbeit mit den Tieren, speziell den Pferden einschätzen?

Ich habe schon als Kind mit Tieren zusammen gelebt, und die Basis des Umgangs würde ich zunächst Respekt nennen. Das beinhaltet auch, die Würde und das Wesentliche des Tieres zu spüren, seinen Raum zu respektieren und sich ihm in einer inneren Ruhe zu nähern. Wichtig ist es natürlich auch seine eigene Würde auszustrahlen, seinen Raum zu kennen und gegenwärtig zu sein.

Tiere scheinen zu erkennen zu wem sie kommen können, wenn sie Hilfe brauchen.

Wenn es etwas Besonderes an meiner Vorgehensweise gibt, dann ist es die universelle Kommunikationsform, die egolos mit der Natur und dem Lebendigen verbunden ist.

 

Was lernen wir eigentlich über uns, oder auch für uns, wenn wir uns dieser Art des Umgangs mit den Tieren etwas mehr öffnen?

Wir verlernen aufzuschieben, denn Tiere sind klar, spontan im Hier und im Moment. Wir verlernen, lange in Gedanken oder mit dem Gegenüber zu diskutieren und erlangen den Zugang zu Intuition und Bauchgefühl.

Wir erfahren uns jetzt, denn jeder Moment wird mit allen Sinnen erfasst. Wir erfahren Sanftheit, Authentizität und die Manifestation des Subtilen und Seelischen. Wir erleben die Kraft der Absicht. <

 

Interview in der Zeitschrift „Auszeit“ Ausgabe 4.2015 S. 118 mit
Anne-Sophie Sager,
Sie hat über 15 Jahre Erfahrung im Privat- und Berufscoaching:
www.sager-mental-consult.com
Bilder: © byrdyak – Fotolia.com, Anne-Sophie Sager

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